Die Wichtigkeit des Kuchenbackens und Kuchenmitbringens

Das Kuchenbacken und vor allen Dingen das Kuchenmitbringen ist eine der wichtigsten zwischenmenschlichen Interaktionen im Büroleben. Und fast wie nebenbei tauscht man sich über Designer-Stühle, Urlaube und Rezepte aus.

Heute erst hat D. Kuchen mitgebracht, weil sie Geburtstag hatte. Bei uns arbeiten vielleicht 35 Menschen, trotzdem gibt es jede Woche mindestens drei Mal Kuchen, weil jeder Geburtstag hat, hatte oder bald hat. Nicht, dass ich mich beschweren möchte. Ich liebe Kuchen. Und manchmal ist es das Einzige, worüber man sich an einem grauen Dienstag freuen kann. Ich habe diese Rechnung nur noch nie ganz zu Ende gedacht. Das Jahr hat 53 Wochen… Naja.

Mit dem richtigen Kuchen macht man sich schnell Freunde im Büro. Fruchtige Törtchen kommen oft besser an als Schokoladiges.
© Samara Hardy Illustration

Aber zurück zum Kuchen: Kuchengebacken und Kuchenmitgebracht wird eigentlich nur, um sich damit zu profilieren. “Schau mal, neben meiner 50-Stunden-Woche habe ich auch noch Zeit meinen Mann zu befriedigen und tolle Tarte zu backen!” Und nein, ich lehne mich mit dieser Vermutung nicht zu weit aus dem Fenster. Erst vor ein paar Wochen hatte ich selbst das Vergnügen Kuchen zu backen (mein Geburtstag stand bevor!) und Gedanken wie obenstehender verfolgten mich schon Tage vor der Tarte: “Wie soll ich das alles nur schaffen, wenn ich um sieben Uhr aus dem Büro kommen? Welcher Supermarkt hatte noch einmal gemahlenen Mohn und Creme Doublé? Gibt es die überhaupt noch zu kaufen? Der Teig muss mindestens eine Stunde im Kühlschrank stehen – wann komme ich also zum Backen?” Es war ein anstrengender und langer Abend, an dem ich fast das Geschirrtuch geworfen hätte und froh war, dass ich nicht auch noch einen Mann am Küchentisch sitzen hatte.

Ein weiterer Grund sich an einem Donnerstagabend, an dem die Arbeitskollegen noch in den Biergarten gehen, vier Stunden in die Küche zu stellen, ist die Frage am nächsten Tag “Gibst du mir dein Rezept?”, die zugleich ein großes Kompliment ist. Besonders wichtig dabei ist das Wörtchen “dein”, denn es beweist, dass einem der Kuchenessende den Erdbeer-Käsekuchen als eigene Kreation abkauft und nicht auf dem Schirm hat, dass sich eben dieses Rezept in jedem läufigen Frauenmagazin mit dem Titelthema “Der Frühling ist da – wir lieben Erdbeeren!” befindet. Ich wurde überschüttet mit Lob und manchen Grafikern schmeckte der Kuchen gar so gut, dass sie sich die letzten Stücke krallten, obwohl ich noch nie ein Wort mit ihnen gewechselt hatte. Noch so eine Eigenart im Büro: Es ist selbstverständlich, dass sich alle Kollegen mehrere Stücke nehmen, selbst wenn man sich nicht sicher ist, ob für einen selbst noch was übrig bleibt.

Nun gut, aber das Kuchenbacken und Kuchenmitbringen hat ja auch gute Seiten. Kommunikation zum Beispiel. Während sich manche Kollegen stundenlang immer nur um deinen Schreibtisch herum stehlen, kommen andere gar auf die Idee eine Unterhaltung mit dir zu führen. Diese besteht eigentlich immer aus folgenden Zutaten: Viele Fragen stellen, denn bei den Antworten des Kuchenbackers kommt man besser zum Essen, den Kuchen loben, während man sich ihn mit einer Hand den Mund stopft und die andere als Teller benutzt und nach dem Kuchen über sich selbst sprechen. Andere benutzen selbstverständlich auch einen Teller, während Sie einen zur aktuellen Kuchen-Notigwenidgkeit (hatte Geburtstag, heute Geburtstag, bald Geburtsgag, erster Tag, letzter Tag usw.) interessiert ausfragen, also Fragen stellen wie “Wie alt wirst du heute?”, “Und? Was hast du an deinem Geburtstag gemacht?”, “Wie geht’s jetzt eigentlich bei dir weiter?” und den Rest kann man sich ja denken. Bei dieser umherstehenden Tellerchen-Gelegenheit kann man eben zuletzt noch über sein fabelhaftes Wochenende am Schliersee / die Sommerurlaubspläne auf den Malediven / den neuen Designer-Stuhl von HAY unterhalten. Selbstprofilierung at it’s finest und Rezepte austauschen kann man auch noch. Wunderbar!

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